Erhaltung von Relikten

Ein ortsansässiger Handwerker bewahrt Barcelonas Vergangenheit, Fliese für Fliese

Bénédicte Bodard entdeckte die weggeworfenen Fliesen in Abfallcontainern, ohne zu wissen, dass es sich um wichtige Teile der Geschichte Barcelonas handelte.

Bénédicte Bodard

Kunsthandwerker & Sammler; Besitzer, Mesa Bonita

Bénédicte Bodard wollte nicht gezielt auf die Geschichte Barcelonas Einfluss nehmen, es geschah einfach so. Die ehemalige Garderobenstylistin für Film und kommerzielles Fernsehen ist heute eine sachkundige Sammlerin, Kunsthandwerkerin und Hüterin von Teilen der Geschichte Barcelonas, deren Fortbestand bedroht wird.

Bodard rettet Fliesen aus abgerissenen Gebäuden oder die bei Renovierungen weggeworfen wurden und fertigt aus den Abfällen handwerkliche, einzigartige Tische. Der dekorative Bodenbelag war während der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts Teil der charakteristischen architektonischen Ästhetik der Stadt. „Im Rahmen der derzeitigen und vergangenen Umbaumaßnahmen werden leider teilweise jegliche Designmerkmale aus der Vergangenheit entfernt“, sagt Bodard.

Heute hat Bénédicte Bodard eine Werkstatt unter ihrer Wohnung in Sants, wo sie handwerkliche, einzigartige Tische herstellt.

Verlorene Schätze

Einen neuen Lebensweg einschlagen

Nach ihrem Umzug aus Los Angeles ließ sich Bénédicte mit ihrem Mann Robin in Barcelonas Viertel Eixample nieder, wo die architektonische Persönlichkeit der Moderne überall sichtbar war. Damals erlebte die Stadt einen Immobilienboom. „Es war im Jahr 2001, und es wurde so viel gebaut.“ Als sie durch die Straßen spazierte, bemerkte sie die Abfallcontainer, die mit Fliesen gefüllt waren, auf denen Motive zu sehen waren. „Ich nahm eine mit und legte sie auf meine Terrasse, dachte aber nicht groß darüber nach.“

Nach ein paar Wochen wurde ihr klar, wie viele dieser Fliesen weggeworfen wurden. Sie erinnert sich daran, dass sie sich die Frage stellte: „Wie kann etwas so Schönes als Abfall angesehen werden?“

Bénédicte Bodard fügt Fliesen zusammen, um die ursprünglichen Muster wiederherzustellen.

Hübsche Tische

Zusammenfügen der einzelnen Teile

Bodard wollte bewirken, dass die Fliesen die Menschen wieder interessieren. Worin bestand die Lösung? Sie fing an, Tische herzustellen und der erste gefiel ihr so gut, dass er ihr bei sich zu Hause als Möbelstück dient.

„Wenn Gäste hereinkamen, sagten sie: „Was für ein hübscher Tisch.““ Auf der Suche nach einem Namen für ihr neu gegründetes Unternehmen ließ sie sich von diesen Komplimenten inspirieren. Hübscher Tisch. Auf Spanisch: Mesa Bonita. Schlicht und passend.

Eine Auswahl restaurierter Fliesen aus Barcelona.

Liebevolle

Bearbeitung

Es ist nicht einfach, die Geschichte zu bewahren. Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der Quadrate ist sehr arbeitsintensiv. Zuerst meißelt Bodard acht oder mehr Zentimeter Zement ab, der auf der Rückseite jeder Fliese haftet und arbeitet von Hand, um den wertvollen Fund nicht zu zerstören. Dann geht es daran, die einzelnen Fliesen zusammen zu puzzeln. Ihr Ziel besteht darin, die Teile so zusammenzusetzen, dass das ursprünglich vorgesehene Muster nachempfunden wird.

Ihre mittlerweile über 10.000 Exemplare umfassende Sammlung ist unbezahlbar. Ein Beispiel: Bodard erinnert sich daran, dass die Kuratoren von Casa Milà, einem Meisterwerk, das auch unter dem Namen La Pedrera bekannt ist und Anfang des 20. Jahrhunderts von Gaudí erbaut wurde, vor ein paar Jahren nach Fliesen gesucht hatten, die einen ganzen Gaudí-Fußboden wiederherstellten. „Sie suchten eine von zwei Bodenfliesen für eine Ausstellung in La Pedrera. Ich hatte beide!“

Lokale Empfehlungen

Spaziergang durch die Straßen Barcelonas mit Fliesenkennerin Bénédicte Bodard

Bénédicte Bodard wurde in der Normandie in Frankreich geboren und arbeitete 18 Jahre lang in Los Angeles als Garderobenstylistin. Erst in den Straßen Barcelonas entdeckte sie ihre wahre Berufung und erweckte ausrangierte Fliesen wieder zum Leben. Sie genießt die dynamische Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt. Hier setzt die Kunsthandwerkerin die einzelnen Teile zusammen, um zu zeigen, wie sie Barcelona aus dekorativer Sicht beurteilt.

Die Welt des Kinos

Filme in allen Sprachen

Phenomena Experience (168 Sant Antoni Maria Claret; +34-932-527-743) bietet Cineasten eine der größten Leinwände Spaniens mit mehrdimensionaler Klangproduktion, die die Kinobesucher beeindruckt zurücklässt. Das Angebot reicht von Klassikern bis hin zu den neuesten Blockbustern. Beliebt sind auch die OV-Kinos (Originalversion), in denen vor allem Indie-Filme in der Sprache gezeigt werden, in der sie ursprünglich produziert wurden. Eines der beliebtesten ist die Filmoteca de Catalunya (1-9 Plaça de Salvador; +34-935-671-070), die vom Kulturministerium der Stadt betrieben wird.

Erkundung der Grünflächen

Spaziergänge im Park

DerParc de la Ciutadella (21 Passeig de Picasso; +34-638-237-1150) ist optimal für ausgedehnte Spaziergänge im Grünen geeignet und hat etwas Königliches an sich. Vielleicht liegt es daran, dass sich hier das Parlament Kataloniens befindet, das alles andere als langweilig ist. In dem großen Park befinden sich auch der Zoo von Barcelona und das Naturkundemuseum. Wenn Ihnen gerade eher danach ist, sich zu amüsieren, können Sie sich zum Tibidabo (3-4 Plaça Tibidabo; +34-932-117-942) begeben, dem höchsten Berg in der Serra de Collserola, auf dem sich Ihnen ein mehr als 100 Jahre alter Vergnügungspark als Attraktion bietet. Wenn Sie Antonio Gaudí noch nicht satt haben, können Sie dem Park Guëll (5 Carrer d'Olot; +34-902-200-302) einen Besuch abstatten. Der Architekt wurde von Eusebio Guëll, einem Industriellen, beauftragt, eine Miniaturstadt auf einem auf einem Hügel gelegenen Gelände zu errichten, das dieser besaß. Gaudi verwendete an jeder nur erdenklichen Stelle Mosaikfliesen.

Kunsttour

Recycelte Werke und umfunktionierte Gebäude

Einer der Lieblingsorte von Bénédicte Bodard ist Drap-Art (1 Calle Groc; +34-932-684-889), wo Werke angeboten werden, die aus Altmaterialien angefertigt wurden und Festivals zum Thema recycelter Kunst aus aller Welt ausgerichtet werden. Ein weiteres Beispiel für Umfunktionierungen ist eine ehemalige Textilfabrik, die in ein Museum umgewandelt wurde. Die Außenfassade des CaixaForum Barcelona, (6-8 Av. de Francesc Ferrer i Guàrdia; +34 934-768-600). erinnert an eine mittelalterliche Burg, innen ist jedoch alles modern gestaltet. Das CaixaForum verfügt mit mehr als 1000 Werken von fast 400 Künstlern aus 37 Ländern über eine der umfassendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Barcelona.

In der Stadt

Erkundung der Viertel

Heute lebt Bénédicte Bodard in Sants, in einem Wohnhaus, das früher einmal eine Seifenfabrik war und in dem Gebäude befindet sich auch ihr Atelier Mesa Bonita. In dem Arbeiterviertel fühlt man sich wie im Barcelona von vor 100 Jahren. Auf der Carrer de Sants befinden sich kleine, familiengeführte Läden und nicht weit entfernt ist Las Arenas (373-385 Gran Via de les Corts Catalanes; +34-932-890-244), eine Stierkampfarena, die in ein Einkaufszentrum umgestaltet wurde. Begeben Sie sich in das fünfte Stockwerk, wo sich Ihnen von einer Rundterrasse aus ein 360°-Ausblick auf die gesamte Stadt bietet.
In Graciá tummeln sich die Hipster tummeln und es ist eines der angesagtesten Viertel der Stadt. Carrer de Verdi, die Hauptstraße des Viertels, ermöglicht eine spannende Erkundungstour durch kunsthandwerkliche Läden und Vintage-Geschäften sowie gemütliche Cafés. An Graciá grenzt Sarriá-Sant Gervais, eines der teuersten Wohnviertel der Stadt. In diesem nicht-touristisch geprägten Gebiet tummeln sich viele Einheimische und viele Besucher sind der Meinung, dass das Gebiet mit seinen vielen grünen Parks und engen, ruhigen Gassen einem kleinen Dorf gleicht.

Geschmackserlebnisse

Das Köstlichste der katalanischen Küche

In Barcelona zu essen bedeutet nicht nur authentische katalanische Küche zu erleben, sondern auch, die Stadt geschmacklich zu entdecken. Bénédicte Bodard empfiehlt die kleineren Restaurants in den einzelnen Vierteln. Café de L'Academia (1 Carrer de Lledo; +34-933-198-253) ist auf einem winzigen Platz an der Plaça de Sant Just gelegen und empfiehlt sich für ein gemütliches Mittagessen auf der Terrasse – an sonnigen Tagen optimal zum Faulenzen und Beobachten von Menschen geeignet. Die in der Nähe des Marktes in Sants gelegene La Bodegueta de Cal Pep (12 Carrer de Canalejas; +34-933-393-037) ermöglicht eine erstaunliche, ausführliche Erkundungsreise der katalanischen Kultur und Küche. Das familiengeführte Restaurant hat eine Stammkundschaft, die wegen eines saisonalen, täglich wechselnden Menüs kommt, das hauptsächlich aus Gerichten mit Meeresfrüchten besteht. Warten Sie im Markt La Boqueria darauf, dass Sie an der Tapas-Bar Bar Pinotxo (Mercat del la Boqueria, 89 Carrer la Rambla; +34-933-171-731) mit 14 Sitzen einen Platz finden. Es gibt sogar ein Buch über den Ort, Gott ist in den Garbanzos, das klassische Geschichten über die berühmte Tapas-Bar erzählt und 31 Rezepte für Kochbegeisterte beinhaltet, die Kochbegeisterte zu Hause ausprobieren können.