Moderne Gedankenspiele

Der Leiter eines Heimatmuseums beurteilt die katalanische Hauptstadt

Ferran Barenblit kehrte von Madrid nach Barcelona zurück und wurde Leiter des Museu d'Art Contemporani de Barcelona, MACBA.

Ferran Barenblit

Leiter des Museu d'Art Contemporani de Barcelona

Ferran Barenblit ist der Meinung, dass Barcelona eine Stadt ist, die niemals einen finalen Zustand erreichen wird, ähnlich wie die unvollendete Sagrada Familia von Antoni Gaudí. Und das ist gut so.

„Barcelona erfindet sich immer wieder neu. Nichts ist final. Die Stadt befindet sich in einem ständigen Wandel“, sagt Barenblit, Leiter des Museu d'Art Contemporani de Barcelona (MACBA). „Es ist eine Stadt, die das Bedürfnis verspürt, sich weiterzuentwickeln.“

Barenblit hat Barcelona in verschiedenen Phasen seines Lebens erlebt. Seine Eltern zogen von Buenos Aires nach Barcelona, als er ein Kind war.

„Barcelona erfindet sich immer wieder neu“, sagt Barenblit. „Die Stadt befindet sich ständig im Wandel.“ Und das ist gut so.

Die Entwicklung eines exquisiten Geschmacks

Kunst in einer komplexen Welt

Barenblits eigenes Interesse wurde erstmals geweckt, als er einem Fotografen assistierte, der Fotos für Künstlerkataloge machte, aber es fällt ihm schwer, sich an einen konkreten „Aha“-Moment zu erinnern, wo alles seinen Anfang genommen hat.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn nach New York, dann zurück nach Barcelona und 2008 als erster Leiter des Centro de Arte Dos de Mayo (CA2M) nach Madrid. Auf die Frage, ob er Veränderungen bemerkt hat, als er nach sieben Jahren aus Madrid zurückkehrte, um bei MACBA zu beginnen, sagt er: „Wie der Rest der Welt ist auch Barcelona komplexer und etwas anspruchsvoller geworden.“

Barenblit ist für ein Museum verantwortlich, das etwas über 20 Jahre alt ist.

Was ist Kunst?

Im MACBA werden Erwartungen übertroffen

Als Barenblit zum Leiter des MACBA ernannt wurde, wusste er, dass er nicht die Verantwortung für irgendein Museum übernahm, sondern für ein Museum an einem Ort, an dem Kunst ernst genommen wird. Überraschenderweise hatte die Stadt vor 1995, als das MACBA im Stadtteil Raval seine Pforten öffnete, kein nennenswertes Zentralmuseum für zeitgenössische Kunst zu bieten. Das MACBA wurde für spanische und internationale Künstler zu einem Museum mit umfassendem Angebot.

Barenblit ist sich seiner Verantwortung bewusst. „Einerseits muss das MACBA internationale Kunst in die Stadt bringen – Etwas, was ihm sehr gut gelungen ist. Andererseits muss das Museum einen Kontext schaffen und diesen verständlich vermitteln, um lokale Kunst sowohl einem lokalen als auch einem globalen Publikum nahezubringen. Wahrscheinlich besteht unsere wichtigste Aufgabe darin, die Erwartungen der Leute an die Kunst zu übertreffen.“

Barenblit hat ein sorgfältig zusammengestelltes Team. Eines der Teammitglieder ist Tanya Barson, die früher bei der Tate Modern in London beschäftigt war und 2016 zur leitenden Kuratorin des MACBA ernannt wurde.

Auf einer Mission

Informationen über zeitgenössische Kunst

In der Vergangenheit verwirrte die zeitgenössische Kunst die Betrachter. Was also sagt Barenblit diejenigen, die zeitgenössische Werke gegebenenfalls verwirrend finden? „Mein Tipp wäre: Lernen Sie, die die Komplexität zu schätzen! Es gibt nichts zu verstehen. Wer hat gesagt, dass man Kunst „verstehen“ muss? Fordern wir das gleiche Maß an „Verständnis“ für andere Kultur- oder gar Naturgüter? Es gibt hingegen sehr viel, woran man sich erfreuen kann!“

Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Anekdote. „Ich habe kürzlich einen der bedeutendsten Kunstsammler Lateinamerikas Folgendes sagen gehört: „Ich kaufe nur die Werke, die ich nicht verstehe. Die, die leicht zu verstehen sind, interessieren mich nicht.““

Lokale Empfehlungen

Erkunden Sie die Stadt mit Ferran Barenblit, dem Leiter des Museu d'Art Contemporani de Barcelona, MACBA

Neugierig auf die Welt zu blicken ist für jemanden, der sich mit künstlerischem Ausdruck beschäftigt, unerlässlich und Barenblit ist mehr als glücklich, dem Entdeckergeist freien Lauf zu lassen. Er hat in modernen Städten gelebt, in denen künstlerische Ausdrucksformen eine sehr große Rolle gespielt hat und ist zu Beginn der Erkundungen der Städte vorgegangen, als hätte er eine leere Leinwand vor sich. Hier gibt er seine Empfehlungen bezüglich bildender und darstellender Kunst weiter sowie nicht so bekannter Cocktailbars und der besten Bäckereien der Stadt.

Um der Kunst willen

Ausstellungsort großartiger Kunstwerke

Natürlich lädt der Museumsleiter zum Besuch des MACBA ein, aber die Besucher sollten sich auch auf keinen Fall die anderen Meisterwerke bildender Kunst in Barcelona entgehen lassen: Das Museu Nacional d'Art de Catalunya (MNAC) (Palau Nacional, Parc de Montjuïc; +34-936-220-360) wurde 1929 für die Exposició Internacional de Barcelona erbaut, die zweite Weltausstellung, die in der Stadt abgehalten wurde. Als Inspiration für die Kuppel diente die Basilika St. Peter im Vatikan inspiriert und im Innenraum wir die weltweit größte Sammlung römischer Fresken beherbergt.
Das Museu de Ciències Naturals de Barcelona (Parc del Fòrum, 4-5 Plaça Leonardo da Vinci; +34-932-566-002), Barcelonas Naturkundemuseum, beherbergt vier Millionen Exemplare und einer der bedeutendsten spanischen Künstler, Antoni Tàpies, gründete seine gleichnamige Stiftung (255 Carrer d'Aragó; +34-934-870-315) in einem ehemaligen Verlag, um das Studium und die Wertschätzung moderner und zeitgenössischer Kunst zu fördern.

Kulturelle Höhepunkte

Live-Performances an überraschenden Orten

Dem Theater kommt in Barcelona eine sehr prominente Rolle zu und die Aufführungen finden in einigen sehr interessanten Sälen statt. Das Teatre Grec (Passeig de Santa Madrona; +34 933-161-000) befindet sich in einem ehemaligen Steinbruch, der 1929 für die Weltausstellung eröffnet wurde und im Sommer werden hier griechische Theater- und Musikfestivals ausgerichtet. Im Barcelona Teatre Musical (BTM) in der Einrichtung für darstellende Künste Ciutat del Teatre (7 Carrer de la Guàrdia Urbana; +34-934-262-089) werden in der Arena Palau dels Esports Veranstaltungen wie Comedy-Shows oder Musicals im Broadway-Stil aufgeführt. Diese wurde für die Mittelmeerspiele im Jahr 1955 gebaut und 2001 in ein Proszenium-Theater umgewandelt. Mercat de les Flors (59 Carrer de Lleida; +34-932-562-600) bietet einen Aufführungsraum für nationale und internationale zeitgenössische Tanzdarbietungen und befindet sich in einem ehemaligen Blumenmarkt, daher die Namensgebung. Werfen Sie einen Blick auf die große Kuppel, die die Eingangshalle bedeckt und von dem mallorquinischen Künstler Miquel Barcelo gefertigt wurde.

Barenblits Musikgeschmack ist sehr modern. Er empfiehlt gleichgesinnten Reisenden, ihren Barcelona-Besuch zeitlich so zu planen, dass er mit dem Festival für elektronische Musik Sonar Barcelona zusammenfällt. Auf dem international ausgerichteten dreitägigen Festival entdecken Audiophile die neuesten Trends in den Bereichen Tanz und elektronische Musik.

Cocktailbars mit Persönlichkeit

Traditionsreiche Bars mit geschichtlichem Hintergrund

Barcelona ist für einige der stilvollsten Cocktailbars der Welt bekannt. Sie zeichnen sich nicht nur für die Art und Weise aus, in der die Cocktails gemischt werden, sondern auch dadurch, wie sie serviert werden. Entscheiden Sie sich für eine kleine Rum-Bar, die sich versteckt in einer engen Gasse befindet. Caribbean Club (5 Carrer de les Sitges; +34-933-022-182) werden Sie nicht finden, wenn Sie nicht wissen, wonach Sie suchen. Juan Jose Gonzalez Rubiera, Eigentümer und Barkeeper des Gebäudes aus dem 12. Jahrhundert, ist der sympathische Gastgeber, der den besten Mojito der Stadt mischt. Im gleichen Viertel, El Raval, befindet sich Boadas (1 Carrer dels Tallers; +34-933-189-592), gemäß ihrer Besitzer die älteste Cocktailbar Barcelonas. Der Gründer Miguel Boadas lernte das Handwerk von einem Cousin, der die noch heute berühmte Bar El Floridita in Kuba besaß. Die Bar gibt es seit 1933 und die elegant gekleideten Barkeeper bereiten die Cocktails entsprechend der speziellen Rezepte von Boadas zu (es gibt mehr als 300) und setzen die Tradition mit einer Tagesspezialität fort.

Nach der Arbeit findet man Barenblit gelegentlich in der Negroni Cocktail Bar (46 Carrer de Joaquin Costa; +34-619-429-271) unweit des Museums. Die Innenausstattung ist sehr zeitgenössisch gehalten, aber es wird ein klassisch spanischer Service geboten. Hier werden persönliche Getränkevorlieben ernst genommen. Die Cocktailmixer beginnen ein Gespräch mit ihren Gästen, um die Vorlieben und Abneigungen jedes Einzelnen zu beurteilen und bereiten dann ein auf diese zugeschnittenes Getränk zu. Wie der Name schon sagt, kann es sich bei einem dieser Getränke sehr wohl um den klassischen italienischen Negroni handeln. Sie können sich aber darauf verlassen, dass Ihr Barkeeper herausfinden wird, wie er diesen für Sie zu etwas Besonderem machen kann.

Leckerbissen aus der Bäckerei

Brot und Gebäck, frisch aus dem Ofen

In jedem Viertel der Stadt gibt es eine Bäckerei oder Konditorei, der man verfallen kann. Barenblit ist der Meinung, dass einige der besten vom MACBA aus zu Fuß erreichbar sind. Statten Sie Forn Boix (23 Xucia; +34-933-022-782) einen Besuch ab – Sie werden dort tolle hausgemachte, rustikale Brote und Baguettes und seit kurzem auch glutenfreie Waren finden. Pastisseria Escribà (83 La Rambla; +34-933-016-027), eine der ältesten Konditoreien Barcelonas, ist aus mehreren Gründen herausragend: erstens wegen ihrer hochwertigen Backwaren und zweitens wegen ihres Besitzers Christian Escriba, der zum Reality-TV-Star wurde, nachdem ein Fernsehsender das Geschäft in einer Serie mit dem Titel „Madness at the Bakery“ vorgestellt hatte. Wenn Sie auf der Suche nach unverfälschter spanischer Tradition sind, werden Sie im Forn Mistral (96 Ronda de Sant Antoni; +34-933-018-037) die besten Ensaimadas finden – gewickeltes, süßes Brot mit Puderzucker überzogen, das ursprünglich aus Mallorca kommt.

Malerische Ausflüge

Ausflüge außerhalb der Stadt

Wenn Barenblit der Großstadt entfliehen möchte, muss er nicht weit fahren. Das Kloster in Pedralbes (9 Baixada del Monestir; +34-932 563-434) ist eine Ruheoase und nur 20 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt. Der große zentrale Innenhof des Klosters ist üppig bepflanzt und im Kloster befindet sich ein Museum für religiöse Kunst aus dem 14. bis 20. Jahrhundert, das in einem ehemaligen Nonnenschlafsaal untergebracht ist. Im Stadtteil Horta-Guinardó befindet sich der älteste Garten der Stadt, der Parc del Laberint d'Horta (1 Passeig dels Castanyers; +34-666-677-722). Der Park ist in verschiedene Teile unterteilt und auf der untersten Terrasse befindet sich das Labyrinth, das 1792 aus Zypressenhecken herausgeschnitten wurde. Wenn Sie wirklich in die Natur eintauchen möchten, bietet sich die 15 Minuten außerhalb der Stadt liegende, prächtige Serra de Collserola (92 Ctra. de l'Església; +34-932-803-552) an, die größte Grünfläche im Großraum Barcelona. Zu den größten Attraktionen des Parks gehören der Torre de Collerola, ein Aussichtsturm sowie die Ruinen einer Burg aus dem 14. Jahrhundert.