Der Klang Londons

Eine lokale Musikerin spielt aus vollem Herzen

Alison Balsom, O.B.E.

Preisgekrönte Trompeterin, Kunstbotschafterin

Alison Balsom ist keine laute Person, auch wenn sie sich das ruhig erlauben könnte. Als die vielleicht beliebteste zeitgenössische klassische Musikerin ist sie im Begriff, eine der begehrtesten Solistinnen der Welt zu werden. Sie zieht die Aufmerksamkeit auf die Schönheit eines Instruments, das in der Vergangenheit von männlichen Künstlern dominiert war.

Aber ab sofort ist die Trompete kein Männer-Instrument mehr. Balsom hat das Klischee des in schummrigen Nachtclubs Trompete spielenden Jazzmusikers ordentlich auf den Kopf gestellt. Die 38-Jährige aus Hertfordshire ist groß und blond und passt mit ihrem klassischen Repertoire eher in die großen Konzerthallen Europas als auf eine Kabarett-Bühne.

Die preisgekrönte Trompeterin Alison Balsom verrät, wo sie sich in London am liebsten aufhält.

Lokale Empfehlungen

Eine Symphonie für die Sinne

Alison Balsom beschreibt ihr Verhältnis zu London sehr ähnlich wie das Verhältnis zu ihrer Trompete. Faszinierend. Die Stadt ist so laut wie raffiniert und so eindrucksvoll wie subtil.

Von der Architektur einer der größten Konzerthallen der Stadt bis zu ihren Lieblingslokalen spricht Alison Balsom über den Rummel in London, der sie tagtäglich inspiriert.

Verborgene Schätze

Reisen Sie in Wilton's Music Hall zurück in die Vergangenheit

Die in einer Seitenstraße in Whitechapel versteckte Wilton’s Music Hall (1 Graces Alley, Whitechapel; +44-20-7702-2789) ist die älteste Konzerthalle der Welt. Das Unterhaltungsprogramm reicht hier von Tanz, Oper und klassischer Musik bis hin zu Schauspiel, Puppentheater, Zaubershows und Kabarett.

Die Geschichte der Konzerthalle reicht zurück ins Jahr 1690. Damals waren es noch fünf separate Häuser, die man später im 18. Jahrhundert zusammenlegte, um einen Pub für skandinavische Seekapitäne daraus zu machen. 1839 wurde hinter dem Pub ein Konzertsaal gebaut, was die Location reizvoller machte und ihren Status als Veranstaltungsort festigte. Nach einer Reihe von verschiedenen Versionen, kurz bevor der Abriss drohte, rettete man die Halle. Obwohl diverse Versuche einer Restaurierung fehlschlugen, wurde der ehemalige Glanz des Etablissements schließlich doch wiederhergestellt. Trotz einer Umgestaltung, die mehrere Millionen gekostet hat, blieb viel vom ursprünglichen Charakter erhalten – einschließlich des bröckelnden Putzes für mehr Authentizität. Montags werden Führungen angeboten, die den Besucher in jeden Winkel der historischen Konzerthalle zeigen.

Perfekte Akustik

Sound ist alles in der Wigmore Hall

Wigmore Hall (36 Wigmore St., Marylebone; +44-20-7935-2141) ist nicht so wie zusammengestückelt wie Wilton. Bei weitem nicht. Als renommiertes Konzerthaus für Kammermusik ist das Gebäude mit einem speziellen Tonnendach versehen, das bei klassischer Musik für die beste Akustik sorgt. Die von Gerald Moira geschaffene, beeindruckende künstlerische Kuppel über der Bühne zeigt, wie die Seele der Musik nach oben auf den als Genie der Harmonie bekannten Feuerball starrt, dessen Strahlen von überall auf der Welt zu sehen sind.
Im Alter von fast 115 Jahren bietet die Wigmore Hall mit mehr als 450 Konzerten pro Jahr mehr Unterhaltung denn je. 2016 gab Balsom hier eine Reihe von Konzerten mit dem Titel The Trumpet Shall Sound. Wenn Sie das nächste Mal in London sind, sollten Sie einen Blick auf den Veranstaltungskalender werfen, da es nicht ungewöhnlich ist, dass Balsom unter den hier auftretenden Künstlern aus den Bereichen von Barock bis Jazz ist.

Candlelight Theater

In Shakespeare’s Globe ist die Welt eine Bühne

Balsom kennt das Shakespeare's Globe Theater (21 New Globe Walk, London; +44-20-7902-1400) sehr gut. 2013 realisierte sie hier ein originelles Projekt mit dem Titel Gabriel. Barocke Trompetenmusik traf dabei auf Live-Theater. Es handelt sich hier nicht um das Original-Shakespeare-Theater, das 1664 abgerissen wurde, sondern um eine Nachbildung, die etwa 230 Meter vom Originalschauplatz entfernt errichtet wurde. Balsom ist zwar von der Open-Air-Location fasziniert, die man unbedingt gesehen haben muss, aber es gibt ein neues Mitglied im Komplex – das drei Jahre alte Sam Wanamaker Playhouse. Dabei handelt es sich um die Nachbildung eines jakobinischen Theaters aus dem 17. Jahrhundert, das zur Beleuchtung der Bühne ausschließlich Kerzen einsetzt. Kerzen in Wandleuchtern umgeben das Theater und ein Kandelaber mit offenem Feuer wirft einen orangefarbenen Schimmer von der Decke. Das kleine Theater mit seinen 340 Sitzplätzen und der Eichenholzverkleidung ist so intim, dass die Darsteller das Publikum fast berühren können.

Gerne schön laut

Ein moderner Club mit Old-School-Vibe

Beim ersten Mal landete Balsom eher zufällig im Effra Social (89 Effra Road, Brixton; +44-20-7737-6800). Sie wollte eine Freundin aus dem Club abholen, wurde aber überredet, noch auf einen Drink mit hinein zu kommen. Danach war sie Feuer und Flamme. Ehemals ein lokaler Conservative Club und 100 Jahre lang nur für Mitglieder zugänglich, wurde das Lokal schließlich unter dem Namen Effra Social als moderner Club mit Old-School-Vibe neu eröffnet. Einige der Wände sind nach wie vor mit Stoff bespannt, Tory-Blau gestrichen und mit Mitteilungen des Conservative Club dekoriert. Heute allerdings finden hier die einzigen politischen Gespräche montagabends statt, wenn Comedy angesagt ist, und dienstags beim Pub-Quiz. Ansonsten dreht sich hier alles um die Party – Weltklasse-DJs und der beste Hip Hop Londons. Hinter der Bühne befindet sich ein gemütliches Restaurant, in dem der Küchenchef unter der Woche das serviert, was er als moderne britische Küche bezeichnet. Sonntags gibt es natürlich Braten.

Klingt köstlich

Kulinarische Abenteuer

Für geschäftliche Treffen oder zum Mittagessen mit Freunden unter der Woche geht Balsom ins Caravan King's Cross im Granary Building (1 Granary Square, King's Cross; +44-20-7101-7661). Hier gibt es spannende Kleinigkeiten wie frittierte Enteneier mit Babaganoush und knusprigen Schalotten oder schmackhafte Maisgrütze mit Blattkohl, Nordseegarnelen und Bourbonbutter. Wenn das Wetter es zulässt, kann man draußen auf der Terrasse essen, mit Blick auf die Brunnen auf dem Granary Square. Zum Abendessen ist Balsoms erste Wahl das Roast im Borough Market (The Floral Hall, Stoney Street), Londons kulinarischem Zentrum. Das Motto lautet hier „vorzüglich britisch“ und die Speisekarte würdigt die regionalen Farmer, Fischer, Bauern und Winzer, von denen die köstlichen Gerichte des Chefkochs Stuart Cauldwell inspiriert sind.

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