Im Auge des Betrachters

Ein britischer Architekt vertritt die gleiche Design-Ästhetik wie sein berühmter Großvater

Greg Blee

Architekt, Mitgründer von Blee Halligan

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt das alte Sprichwort und für den Architekten Greg Blee könnte es wahrer nicht sein. Wo andere ein abrissreifes Gebäude sehen, schaut Blee hinter die verwitterten Fassaden und entdeckt die versteckte Schönheit des Bauwerks. Und je komplexer das Projekt, desto besser.

Als Blees Eltern eine rustikale Blockhütte kauften, die ursprünglich 1822 auf dem Land in Frankreich gebaut worden war, verbrachte der Architekt der dritten Generation 30 Jahre damit, das Häuschen in ein umweltfreundliches Cottage zu verwandeln. Es entstand ein modernes Wunder, und zwar Stück für Stück in seinem Londoner Studio. Die Einzelteile transportierte er dann nach und nach in seinem Renault-Van über den Eurotunnel nach Frankreich.

Bei anderer Gelegenheit, als er gebeten wurde, die Umgestaltung eines Hauses in South Wales für die britische Fernsehsendung Ugly House To Lovely House zu übernehmen, verwandelte er das Haus in ein von natürlichem Licht durchflutetes Vorzeigeobjekt mit raumhohen Fenstern.

Greg Blee, Mitbegründer der Architekturfirma Blee Halligan.

Lokale Empfehlungen

Durch London mit Greg Blee

Wenn Greg Blee gerade nicht arbeitet, durchstreift er seine Heimatstadt, das glamouröse London. Er fordert Menschen dazu auf, über die hübschen Landschaften, glanzvollen Sehenswürdigkeiten und beliebten Hotspots hinauszuschauen und eine andere Seite der Stadt schätzen zu lernen.

Eine französische Note

Eine Pariser Brasserie beeindruckt mit Elsässer Flair

Bellanger, (9 Islington Green, Islington; +44-20-7226-2555), die Brasserie der kulinarischen Londoner Giganten Chris Corbin und Jeremy King, steckt voller altmodischem Charme. Die Inneneinrichtung sieht aus als hätte man sie aus dem Paris der Jahrhundertwende entführt: Holzpaneele, Messingdetails und überall Spiegel. Die Beleuchtung vermittelt ein faszinierendes Art-nouveau-Flair.

Auf der Speisekarte findet man vorwiegend ostfranzösische Speisen, wobei zu den Spezialitäten des Hauses süße und herzhafte Tartes Flambées – köstlich mit einem Glas Crémant d’Alsace – und deftiges elsässisches Sauerkraut gehören.

Die Getränke werden in Gläsern mit grünem Stiel serviert, was zum altmodischen Charme des Bellanger’s beiträgt, und sind ein weiteres Zeichen für die unglaubliche Liebe zum Detail, die für den Kultstatus der Lokale von Corbin und King überall in der Stadt verantwortlich ist.

Merkwürdig, aber wahr

Ein unkonventionelles Museum bietet seinen Besuchern eine Prise lokaler Geschichte

Auf dem Dachboden der St. Thomas' Church befindet sich in einer 300 Jahre alten Gewürzmansarde der älteste Operationssaal Europas, der auf das Jahr 1822 zurückgeht. The Old Operating Theatre Museum (9a St. Thomas St., Southwark; +44-20-7188-2679) gibt Besuchern einen Einblick in die bizarren Behandlungsmethoden, die vorherrschten, bevor die moderne Medizin Einzug hielt. Erst 1956 als Raymond Russell im Rahmen seiner Recherchen zum St. Thomas' Hospital eine Öffnung im Dachboden auffiel, entdeckte man den Operationssaal, restaurierte ihn und machte ihn 1962 als Museum wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Teil der makaberen Attraktion? Eine wöchentliche Vorführung an einem alten Holztisch und unter Verwendung von Original-Instrumenten stellt einen Operationssaal des 19. Jahrhunderts nach, wo Studenten als Beobachter den chirurgischen Eingriffen beiwohnten, die ohne Narkose oder Desinfektionsmittel vorgenommen wurden. Nichts für schwache Nerven.

Austrinken!

Ein echt britischer Pub südlich des Flusses

Es ist einer von Greg Blee Träumen, einen Pub zu renovieren und in Süd-Londons Camberwell-Viertel gibt es dazu jede Menge Gelegenheit. Das Camberwell Arms (65 Camberwell Church St.; +44-20-7358- 4364) ist ein Neuzugang in der Gegend.

Es ist eine gemütliche, einladende Eckkneipe mit einer Kron- und Wandleuchter-Beleuchtung, die den modernen Gastropub in ein warmes Licht taucht. Die Speisekarte ist mit Gerichten wie am Spieß geröstetem Huhn, Kaninchengeschnetzeltem und Grill-Rebhuhn deftig und gewagt. Außerdem gibt es hier für alle, die gerne neue Sorten entdecken, ein ständig wechselndes großes Angebot an verschiedenen Fassbieren.

In der oberen Etage ist es etwas ruhiger. Hier gibt es eine Digestif-Karte mit edlen Tröpfchen für nach dem Essen sowie Craft-Bier, Cocktails und eine Auswahl an Bio-Weinen. Perfekt, um es sich auf der Couch vor dem Kamin bequem zu machen.

Verborgene Schätze

Die Xinjiang-Küche im Silk Road ist ebenso einfach wie verführerisch

Manchmal sind es gerade die einfachen Lokale, die einen Besuch wert sind. Und das gilt auch für das Silk Road (49 Camberwell Church St., Camberwell; +44-20-7703-4832), ein verstecktes Juwel, das sich auf die Küche der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas spezialisiert hat und zu einem Hotspot für die Kunststudenten und Hipster des Viertels geworden ist. Was steht auf der Speisekarte? Für die Uighur-Küchen in Xinjiang sind vielfältige Lammgerichte typisch, außerdem gibt es Street-Food-Spezialitäten wie frittierte Schweinefleisch-Teigtaschen, die den ganzen Tag über frisch im Haus zubereitet werden sowie Lammspieße mit Kreuzkümmel und einer ordentlichen Portion Chili.

Blee empfiehlt Hühnchen und Kartoffeln in Chili-Brühe. Wenn man mit diesem Gericht fast fertig ist, kommt ein Kellner mit einem Berg hausgemachter Nudeln an den Tisch, die man in die aromatische Brühe tunken kann, um die köstliche Sauce zu genießen, die ein Gang für sich ist.

Cocktails mit Aussicht

Eine Pop-up-Bar in ungewöhnlicher Umgebung

Ein Parkplatz ist nicht unbedingt der gängigste Ort, um sich nach der Arbeit auf einen Cocktail zu treffen, es sei denn, Sie befinden sich zufällig in Frank's Café and Campari Bar (95a Rye Lane; Peckham). Dann macht es natürlich absolut Sinn.

Als eines von Londons ersten Pop-up-Restaurants zelebriert die Location visuelle Kunst, Architektur, Musik, Speisen und Getränke – es ist ein Erlebnis für alle Sinne hoch oben auf dem Dach und mit einem unvergleichlichen Ausblick auf die Stadt. Im Rahmen des Bold Tendencies Skulpturen-Projekts wurde das mehrstöckige Parkhaus in den 1980ern in ein großes Kunstzentrum verwandelt. Entdecken Sie in Londons Skyline die von Norman Foster designte „Gurke“ (Gherkin), das London Eye und The Shard, während Sie an einem von Franks Campari-Cocktails nippen.

Sie sollten den Ausflug allerdings gut planen. Aufgrund seiner Open-Air-Location ist Frank's nur in den wärmeren Monates des Jahres geöffnet.

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